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Stand: 22.03.2016

Pressemitteilung

„Weg von Animation, hin zu Teilhabe und Einzelbetreuung“

Neuer SozialdienstEngagieren sich für die Bewohner in St. Michael: die Caritas-Mitarbeiterinnen (von links) Mirja Miller, Elisabeth Grimberg und Maike Jens.

In St. Michael, einer Einheit des Caritas-Förderzentrums St. Johannes und St. Michael mit Max-Hochrein-Haus, leben 20 Menschen mit Multipler Sklerose. Die Bewohner sind ganz verschieden: im Alter, in ihren Interessen, im Fortschreiten ihrer Krankheit und ihren Möglichkeiten der Teilhabe. Deshalb sind  die Sozialpädagoginnen Maike Jens und Elisabeth Grimberg davon überzeugt, dass Gruppenangebote für diese Menschen nur sehr begrenzt Sinn haben. Die beiden Frauen vom Sozialdienst von St. Michael beschreiten daher ganz andere Wege.

Maike Jens arbeitet seit Februar in St. Michael, ihre Kollegin seit Mai. Zunächst haben sich beide umgeschaut, die Bewohner und Strukturen des Hauses kennengelernt. "Dabei haben wir beobachtet, welche Angebote sich bisher bewährt hatten und welche brach lagen", sagt Maike Jens.

Dann machten sie sich schnell ans konzeptionelle und praktische Arbeiten. Das bedeutet ganz konkret: "Weg von den Gruppenangeboten hin zu mehr Einzelbetreuung", bringt es Maike Jens auf den Punkt. "Als Sozialarbeiterinnen sehen wir unsere Aufgabe darin, Menschen zu befähigen, mit ihren vorhandenen Ressourcen möglichst selbstständig und selbstbestimmt zu leben", fügt Kollegin Grimberg hinzu. Deshalb sind ihre Angebote lebensnah und praktisch angelegt: "Unsere Bewohner wollen in die Stadt, ihren Personalausweis selbst beantragen, einkaufen, mit der Straßenbahn fahren und auch mal ganz normal zum Friseur gehen", nennen sie Beispiele.

Eine ältere Bewohnerin, die inzwischen körperlich sehr stark eingeschränkt ist, war früher eine leidenschaftliche Köchin und hat noch heute eine Vielzahl von Rezepten im Kopf. Mit ihr geht eine der beiden Frauen einkaufen; sie ist dabei, wenn andere Bewohner kochen, sie weiß, wann welcher Schritt wie erfolgen muss und ist so - auch wenn sie selbst kein Messer mehr führen kann - wichtiger Teil des Kochteams.

Dank einer kleinen Gruppe Ehrenamtlicher können die Bewohner von St. Michael an einem Tag in der Woche einen Ausflug unternehmen. "Wir könnten noch viel mehr Ehrenamtliche brauchen", sagt Elisabeth Grimberg. Die Voraussetzung für eine ehrenamtliche Tätigkeit: "Gesunde Hände und Füße, denn unsere Bewohner brauchen vor allem nette Begleitung und Menschen die sie in ihrer Mobilität unterstützen". Der Zeitaufwand ist überschaubar und frei wählbar, der Inhalt abhängig von den eigenen Interessen.

"Wir machen es zusammen" ist das grundlegende Motto der beiden Sozialarbeiterinnen und steht im Gegensatz zu "Ich mache es für dich", wie es früher üblich war. "Damit sind die Frauen eine ganz elementare Unterstützung im Lebensalltag", ist Bereichsleiterin Mirja Miller überzeugt. "Die gute Pflege, die wir hier leisten, ist die Basis dafür, dass die Kolleginnen sich um das Recht auf Teilhabe kümmern können." Für Mirja Miller gehört es zum Menschsein dazu, dass die Bewohner liebevoll gepflegt und auch ausgehfein gemacht werden - und dass sie sich um ihr Leben so autonom wie möglich selbst kümmern. "Wir wollen weg von Bespaßung und Animation und hin zu Teilhabe und Befähigung", erklärt sie. Dass die beiden Sozialpädagoginnen darüber hinaus mit den Bewohnern realistisch deren Ressourcen einschätzen, ist ebenfalls wichtig.

Das Miteinander von Pflege und sozialem Arbeiten war für Maike Jens und Elisabeth Grimberg ausschlaggebend dafür, dass sie sich auf die Sozialdienststellen beworben haben. Grimberg kann darüber hinaus auch ihre eigenen Berufserfahrungen als Krankenschwester einbringen. "Dass wir viel Spielraum haben und kreativ sein können, betrachten wir als weiteren Vorteil unserer Arbeit", so Grimberg. "Wir haben im Sommer begonnen Gartenarbeit anzubieten, was besonders bei den männlichen Bewohnern gut ankam."

Nun starten die Mitarbeiterinnen mit den Bewohnern ein Fotoprojekt. Denn St. Michael ist Teil des Caritas-Förderzentrums St. Johannes und wird in den Neubau, der zurzeit in der Kaiser-Wilhelm-Straße gebaut wird, einziehen. "Gemeinsam mit einer Fotografin wollen wir Fotos von unserer jetzigen Einrichtung machen. Die Bewohner können das fotografieren, was ihnen wichtig und wertvoll ist." Die Fotos sollen für sie eine Erinnerung sein, denn viele leben seit vielen Jahren in diesem Haus. Und die Fotos sollen für eine Ausstellung genutzt werden. "Es wird eine Vernissage geben, an der sich ebenfalls viele Bewohner beteiligen können: mit ihren Fotografien, ihren Ideen und ihren Kochfähigkeiten und Rezepten", freuen sich Maike Jens und Elisabeth Grimberg. Überhaupt freuen sich auch schon alle Bewohner auf das neue Haus in der Kaiser-Wilhelm-Straße.

Text und Foto: Caritasverband für die Diözese Speyer /Brigitte Deiters

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