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Stand: 22.03.2016

Pressemitteilung

„Sie sind nicht schuld an ihrer Krankheit!“

Moderatorin Christine Häfner im Gespräch mit zwei Teilnehmern, zwei Männer, die links und rechts von ihr stehen. Christina Häfner moderierte das Psychose-Seminar, zu dem diesmal nur Männer gekommen waren. Brigitte Deiters / Caritasverband Speyer

Diesmal hat sich eine fast reine Männerrunde zum Ludwigshafener Psychose-Seminar versammelt. Sieben Männer sitzen auf der Terrasse des Max-Hochrein-Hauses, bei ihnen als einzige Frau Christina Häfner, Case-Managerin im Caritas-Förderzentrum St. Johannes.

Die meisten von ihnen kennen sich: ein Ehrenamtlicher, ein Pfarrvikar von der anderen Rheinseite, der immer wieder psychisch kranke Menschen mitbringt, vier Erkrankte und ein Ehemann. Er steht an diesem Abend im Mittelpunkt. Nicht nur, weil er zum ersten Mal da ist, sondern weil er ein handfestes Anliegen hat: Seine Ehefrau, 68 Jahre alt, soll am nächsten Tag aus der Klinik in Klingenmünster entlassen werden. Er hat keine Ahnung, wie der Alltag mit der Ehefrau, die schon drei stationäre Krankenhausaufenthalte hinter sich hat, aussehen soll: "Wenn sie ihre Medikamente nimmt, ist alles gut. Aber sie will sie nicht. Und dann wird es wieder schlimm", erzählt er. Und er gesteht: "Ich habe große Schwierigkeiten, mit ihrer Krankheit klarzukommen."

Für genau solche Probleme ist das Psychose-Seminar entwickelt worden: Es ist ein moderiertes Gesprächsforum für Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung, Angehörige, interessierte Laien und professionell Tätige und  versteht sich als Lern- und Begegnungsforum für all diese Menschen.

Das Ludwigshafener Psychose-Seminar ist eine Gemeinschaftsveranstaltung des Caritas-Förderzentrums St. Johannes & St. Michael mit Max-Hochrein-Haus und dem SKFM Betreuungsverein, gemeinsam mit der Koordinierungsstelle für Psychiatrie der Stadt. Hier, wie bei allen Psychose-Seminaren, die 1989 in Hamburg auf Betreiben einer Erkrankten entstanden sind, ist ein zentraler Bestandteil: "Austausch auf Augenhöhe". Hier treffen die verschiedenen Sichtweisen aufeinander, die Teilnehmenden erzählen von dem, was sie gerade beschäftigt. Und jeder gibt sein Wissen und seine Erfahrungen an die anderen weiter.

Als der Ehemann klagt, dass seine Frau sich weigert, ihre Medikamente einzunehmen, antwortet ein Erkrankter spontan: "Kein Wunder, bei den Nebenwirkungen!" Ein anderer Betroffener erklärt dem Mann, dass dieses Weigern wohl auch mit fehlender Krankheitseinsicht zu tun haben könnte. Alle nicken zustimmend. Der Ehrenamtliche rät zu viel Verständnis und dazu, nicht alles persönlich zu nehmen. "Sie können nichts für die Krankheit Ihrer Frau", versichert er. Und warnt: "Passen Sie auf sich auf, das geht sonst an die Substanz."

Christina Häfner fragt die Männer, welche Unterstützung durch ihre Familie ihnen in schlimmen Zeiten geholfen habe. Es zeigt sich, dass viele keinerlei Unterstützung hatten: "Ich hab mir immer gewünscht, dass mich mein Bruder oder sonst jemand besucht. Aber er kommt bis heute nicht auf mich zu."

Viele teilen diese Erfahrung. Obwohl sich manche Erlebnisse ähneln, wird an diesem Abend aus den persönlichen Erzählungen deutlich: Es gibt nicht die eine Krankheit und auch nicht die eine Möglichkeit, damit umzugehen.

Trotzdem ist es hilfreich an diesem Abend, dass Christina Häfner den Teilnehmenden einen theoretischen Input mit nach Hause gibt. Sie berichtet davon, wie sich verschiedene Erfahrungen und Denkstrukturen im eigenen Leben auswirken. Und als Stärkung für den Alltag gibt sie Tipps, wie man aus bestimmten "Denkfallen" ausbrechen kann.

Noch zweimal wird das Psychose-Seminar in diesem Jahr angeboten: am 13. September und 11. Oktober, jeweils von 18 bis 20 Uhr im Max-Hochrein-Haus, Saarbrücker Straße 7. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Teilnahme ist kostenlos.

Text und Foto:Brigitte Deiters für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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